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Die Zeit nach der Operation

und die Rückkehr zu Sport und Aktivitäten

Nach der Operation ist das Problem Ihrer Schulter behoben und die Heilung  beginnt. Eigentlich gute Nachrichten. Dennoch kann die Zeit nach der Operation für PatientInnnen körperlich und emotional sehr belastend sein. Typische, kurzfristige Probleme sind Unklarheiten was die Wunden betrifft, die Schmerzmedikation oder die Physiotherapie. Mittelfristig sind es Fragen nach der Belastbarkeit, dem Kraftaufbau und der Rückkehr zum Sport. Als meinE PatientIn erhalten Sie sowohl eine Wegleitung zum Verhalten allgemein nach Operationen, als auch detaillierte Angaben zur Physiotherapie speziell für Ihre Behandlung. Die Freigabe für Sport erfolgt individuell in der Sprechstunde.

 

Hier sollen nur kurz einige Punkte für Sie erläutert werden.

 

 

Wundpflege

 

Die Schulter ist ein sehr bewegliches  Gelenk mit einer an manchen Stellen nur sehr dünnen Hautschicht. Eine gewissenhafte und genaue Hautnaht ist unumgänglich, um das Risiko von Wundheilungsstörungen zu reduzieren. Mein Standard ist eine resorbierbare Hautnaht, wobei an den Enden der Wunde durchsichtige Fäden überstehen. Diese können nach zwei Wochen einfach abgeschnitten werden. Die Wunde selbst wird noch einmal mit einem speziellen Pflaster geschützt. Arthroskopieportale werden mit versenkten Nähten, sprich ohne Überstand, geschlossen und mit Steristrips gesichert. Zuoberst kommt noch ein einfacher Wickelverband als mechanischer Schutz und zur Kompression der Wunde.

 

Sie können den Verband 4 Tage nach der Operation entfernen. Bitte belassen Sie die Steristrips, bis sie sich von selber ablösen. Bitte halten Sie die Wunde sauber und trocken. Sie dürfen ab dem 4. Tag nach der Operation kurz duschen, aber vermeiden Sie Bäder, Schwimmen, Saunieren, Solarium etc. Nach dem Duschen wird der Wundbereich einfach trockengetupft. Bitte tragen Sie keine Wundsalben oder Cremes auf die Wunde auf bis sie ganz geheilt ist.

 

 

Schmerzen

 

Schmerzen und Schmerztherapie nach einer Operation sind ein schwieriges Thema. Zum einem sind die Schmerzwahrnehmung und der Umgang mit Schmerzen sehr subjektiv. Das heißt nicht, dass manche Leute wehleidiger sind als andere. Aber es spielen viele Faktoren eine Rolle. Zum anderen wissen wir von unseren Kollegen aus der Allgemeinchirurgie, dass bis zu einem Drittel der PatientInnen untertherapiert sind, sprich eine unzureichende Schmerztherapie erhalten.

 

Unverhältnismäßige Schmerzen nach einer Operation beeinflussen die Heilung und Mobilisation negativ. Wer sich gleich nach der Operation vor Schmerzen kaum bewegen kann, kommt auch später nicht gut in die Gänge. Um das zu vermeiden, benutze ich eine multimodale Schmerztherapie.

 

Die erste Komponente dabei sind Schmerzmittel. Wie an anderen Stellen beschrieben erfolgen meinen Eingriffen fast ausschließlich in Verbindung mit einer lokalen oder regionalen Anästhesie mittels Blocks oder Kathetern. Hinzu kommen Tabletten oder Tropfen mit gut bekannten Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol. Nach der Operation kann im subjektiv richtigen Tempo die Menge an Tabletten reduziert werden. Dabei empfiehlt es sich die Abendmedikation als letzte zu stoppen.

 

Die zweite Komponente ist die richtige Geschwindigkeit bei der Mobilisation. Offene Eingriffe profitieren oft davon, wenn am ersten, oder den ersten zwei Tagen, nach der Operation wenig passiert. Hochlagerung ist ein ebenso einfacher, wie effektiver Weg Schmerzen zu mindern. Andere Eingriffe profitieren davon, wenn man das Gelenk schon früh bewegt. Das Pflegepersonal in meinen Belegspitälern ist hier genau instruiert und sehr erfahren. 

 

Die dritte Komponente ist eine konsequente und richtig dosierte Kryotherapie oder Kühlung (s.u.)

 

Die vierte, aber bei weitem nicht unwichtigste, Komponente ist das Verstehen der schmerzhaften Vorgänge. Nach der Operation erkläre ich Ihnen, wenn möglich auch mit Fotos und Videos aus dem Op, was genau gemacht wurde, und was warum wo schmerzt oder schmerzen kann. Aufgrund der komplexen Anatomie können postoperative Unbequemlichkeiten überall zwischen Hals und Hand auftreten! So kann zB das Tragen der Schlinge taube Finger durch die Beugung des Ellbogens verursachen. Das Wissen was los ist, warum etwas schmerzt, und dass das kein Ausdruck eines Problems ist, erleichtert den Umgang mit Schmerzen ungemein. Also: fragen Sie auch gerne zwei, fünf, sechs oder zehn mal!

 

Bleibt als letzte Frage: Wieviel Schmerz soll/darf sein? Eine wohldosierte Schmerztherapie, die Effekt gegen Nebenwirkungen abwiegt, zielt auf einen ablenkbaren Schmerz ab. Das heißt, keine komplette Schmerzfreiheit, sondern einen Level an Schmerz der durch ein Gespräch, Radio, Fernsehen oder andere Tätigkeiten überschattet wird. Der Vorteil dieses Zugangs ist, dass einerseits nicht so hohe Dosen wie für eine komplette Schmerzfreiheit gebraucht werden, andererseits ist eine leise Erinnerung da, dass das Gelenk noch nicht ganz ausgeheilt ist.

 

 

Kühlen

 

Kryotherapie oder Kühlen ist eine effektive und einfache Methode um Schmerzen und Entzündung zu bekämpfen. In der praktischen Durchführung kann man die Schulter in den ersten 2 -3 Tagen nahezu durchgehend kühlen. Danach empfehle ich 30 Minuten 2-4 mal pro Tag in den ersten 2 Wochen.

 

Bitte beachten Sie, NIE DIREKT AUF DER HAUT zu kühlen, sondern immer über einem Tuch, T-Shirt oder einem Waschlappen. Direkter Hautkontakt kann schnell zu Erfrierungen führen!

 

Bei der „Wahl der Waffen“ gibt es zahlreiche Optionen. Einige kommerzielle erhältliche Produkte pumpen kaltes Wasser maschinell durch eine Manschette um die Schulter. Gelpads oder ähnliches sind weit verbreitet und leicht erhältlich. Eine sehr einfache Methode ist ein Kissenbezug, Waschlappen oder Strumpf der locker mit Linsen gefüllt ist. Nach 1 Stunde im Gefrierschrank sind die Linsen schon kalt und passen sich aufgrund ihrer Form sehr gut allen Konturen des Körpers an.

 

 

Ruhigstellung und Belastung

 

Eigentlich ist jede Schienung oder Ruhigstellung der Schulter potentiell gefährlich, da Bewegungseinschränkungen und Steife entstehen können. Dies ist stets gegen die Notwendigkeit einer Immobilisation zwecks Heilung abzuwiegen. 

 

Was die Belastung betrifft, werden Sie für jede Behandlung eine genaue Anleitung erhalten. Wichtig ist immer zu beachten, dass der Zugewinn an Bewegungsumfang wichtiger ist als der Kraftaufbau. Kraftaufbau kann sich schnell in eine Geduldsprobe entwickeln, da ein zu rasches Vorgehen sehr schmerzhafte Sehnenscheidenentzündungen hervorrufen kann. Als Faustregel gilt, dass der Kraftaufbau 3-mal so lange dauert wie der Kraftverlust zuvor – und diese Zeit beginnt erst ab Abschluss der Heilungsphase. 

 

Wichtig für den Kraftaufbau ist es auch den Rücken und das Schulterblatt mitzunehmen. Diese sind der "Anker" für die Aufhängung des Armes und eine starke Schulter kann nicht ohne starken Rücken funktionieren!

Physiotherapie

 

Auch nach nur kleinen Eingriffen oder Verletzungen hat der Körper eine Tendenz eine Steife zu entwickeln, die sogenannte Frozen Shoulder. Das macht entwicklungsgeschichtlich Sinn, ist aber heutzutage nicht förderlich. Die Schwierigkeiten des Kraftaufbaus sind im vorherigen Paragraph geschildert. Ich empfehle daher fast allem Patienten zumindest eine Serie Physiotherapie, um die Kraft und Beweglichkeit des Gelenks rasch wiederherzustellen und dauerhaft zu erhalten.

 

Nach einer Operation kann die Physiotherapie fast sofort beginnen. Speziell in den ersten Tagen können abschwellende Maßnahmen und Lymphdrainage nicht nur sehr angenehm sein, sondern auch schmerzlinderen wirken und die Heilung beschleunigen.

 

Ich stehe mit den meisten meiner TherapeutInnen in engem Kontakt und führe regelmäßig mit ihnen gemeinsame Weiterbildungen und Vorträge durch. Sie erhalten nach der Operation aber auch noch eine Wegleitung mit Zeitplan für die Maßnahmen die speziell für Ihre Behandlung notwendig sind.

 

Besonders hilfreich ist es auch mit dem Therapeuten ein Heimübungsprogramm zu erstellen. Dies sind oft sehr simple Übungen, die ohne großen Zeit- und Materialaufwand zwischen den Behandlungen zu Hause durchgeführt werden können. Wenn auch ohne großen Aufwand, so kann der Wert dieser wenigen Minuten Trainings pro Tag gar nicht überschätzt werden!

 

Autofahren und andere Verkehrsmittel

 

Das Strassenverkehrsgesetz der Schweiz (Artikel 31) besagt, dass der "Führer das Fahrzeug ständig so beherrschen muss, dass er oder sie seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann."  Hier ist also wichtig ob Sie, unabhängig von Schlingen oder Bandagen, über ausreichend Kraft und Funktion verfügen, um ihr Fahrzeug zu steuern. Auch wenn Sie keinen Unfall verursachen, sondern zB einen Parkschaden erleiden, kann es sein, dass Ihr Versicherer sich nicht in der Zahlungspflicht sieht, wenn Sie nach der Operation gefahren sind. Je nach Operation und Körperseite ist die Zeit, bis Sie wieder sicher fahren können unterschiedlich. Rechnen Sie mit 2-6 Wochen. 

 

Andere Verkehrsmittel können auch ihre Tücken haben. Im ÖV sind Kollisionen mit Mitfahrern und das Anhalten in den ersten Tagen schwer. Hier empfiehlt es sich Stosszeiten zu vermeiden. Ein Rucksack oder einer Tasche mit Schulterriemen machen hier das Leben viel einfacher. Im Flugverkehr hat selbst die größte Prothese zum Glück nicht genug Metall um den Detektor auszulösen.    

Rückkehr zum Sport

 

Die Rückkehr zum Sport setzt eine weitgehend komplette Heilung Ihrer Schulter voraus. Auch einfaches Jogging kann durch die Erschütterung der Auf- und Abbewegung Schmerzen verursachen oder Ihre Heilung negativ beeinflussen. Gemeinsam können wir im Rahmen Ihrer postoperativen Kontrollen die Rückkehr zu Sport und physischer Aktivität planen und begleiten.